Akzept! Fragebogen zur Messung der Akzeptanz diagnostischer Verfahren
Das Erleben und Bewerten diagnostischer Verfahren aus der Sicht der Verfahrensteilnehmer wird immer häufiger thematisiert. Zahlreiche Anwender berücksichtigen bei der Auswahl diagnostischer Verfahren Akzeptanzgesichtspunkte, sind dabei aber weitgehend auf Spekulationen angewiesen. Der Akzept! Fragebogen zur Messung der Akzeptanz diagnostischer Verfahren ist ein technisch hochwertiges mehrdimensionales Akzeptanz-Messinstrument, welches bislang bei über 500 Personen eingesetzt wurde.
Es gibt drei Varianten des Akzept! Bogens: einmal für Leistungstests (Akzept! -L), einmal für Persönlichkeitstests (Akzept! -P) und einmal für Assessment Center (Akzept! -AC). Ein weiterer Fragebogen für Interviews befindet sich zur Zeit in der Entwicklung. Die nachfolgende Übersicht stellt die Skalen des Bogens dar. Der Unterschied zwischen den drei Varianten besteht hauptsächlich in der Wortwahl, während im Akzept! -L von "Testaufgaben" gesprochen wird, geht es im Akzept! -P um "Verfahren" und im Akzept! -AC um "Übungen". Außerdem gibt es einige verfahrensspezifische Skalen.
Beispiel:
- Akzept!-L: Bei der Bearbeitung der Testaufgaben wusste ich jederzeit, was ich tun muss.
- Akzept!-P: Bei der Bearbeitung der Fragen/Aussagen wusste ich jederzeit, was ich tun muss.
- Akzept!-AC: Während der Übungen des ACs wusste ich jederzeit, was ich tun muss.
Für die Bearbeitung der Items wird eine sechsstufige Zustimmungsskala genutzt, deren Extremausprägungen mit "trifft nicht zu" und "trifft genau zu" bezeichnet sind. Bei der Auswertung wird ein extrem negativer Wert mit "1", ein extrem positiver Wert mit "6" codiert. Durch nachträgliche Umpolung negativer Items wird erreicht, dass hohe Werte einem positiven Akzeptanzurteil entsprechen.
Jede der drei Versionen des Akzept! Bogens umfasst mehrere Skalen (siehe unten Tabelle 1). Die Skalen Messqualität, Augenscheinvalidität und Kontrollierbarkeit sind Bestandteil aller drei Versionen des Akzept! Bogens. Die Skala Belastungsfreiheit kommt sowohl im Akzept! -L als auch im Akzept! -AC vor. Nur im Akzept! -P kommen die Skalen "Wahrung der Privatsphäre" und "Antwortfreiheit" vor. Im Akzept! -AC werden darüber hinaus noch Items zur "guten Organisation" und "positiven Atmosphäre" eingesetzt.
Alle drei Varianten des Akzept! Bogens enthalten noch Zusatzitems. Mit einem Item "Gesamtbeurteilung" wird bei allen drei Varianten gefragt: Welche Schulnote würden Sie dem soeben bearbeiteten Test (Verfahren bzw. dem AC, an dem Sie soeben teilgenommen haben) geben?" Zur Beantwortung steht die Schulnotenskala (von "sehr gut" bis "ungenügend" zur Verfügung). Beim Akzept!-L und beim Akzept!-AC wird abschließend außerdem um eine Selbsteinschätzung zum eigenen Abschneiden im Test / im AC gebeten. Das Item "Ich habe mich bei der Bearbeitung des Verfahrens besser dargestellt, als ich wirklich bin" kommt nur im Akzept!-P vor und zielt auf eine Erfassung des Ausmaßes an (positiver) Verfälschung.
Kurzbeschreibung der Skalen:
Kontrollierbarkeit (AC, L und P):
Beispiel: "Bei der Bearbeitung der Testaufgaben / der Fragen/Aussagen bzw. während der Übungen wusste ich
jederzeit, was ich tun muss."
Messqualität (AC, L und P):
Beispiel: "Der Test ermöglicht es, die zwischen verschiedenen Menschen bestehenden (Leistungs-)unterschiede in der
vom Test / Verfahren / AC gemessenen Fähigkeit exakt zu messen."
Augenscheinvalidität für Berufseignungsdiagnostik (AC, L und P):
Einem Verfahren wird eine hohe Augenscheinvalidität zugesprochen, wenn die subjektiv wahrgenommene Messintention mit
der seitens der Diagnostikanden vermuteten oder ihnen explizit genannten diagnostischen Fragestellung übereinstimmt, zu
deren Beantwortung das betreffende Verfahren eingesetzt wird. Augenscheinvalidität ist somit ein relationaler Begriff,
der die Wahrnehmung des Verfahrens mit der Wahrnehmung der diagnostischen Fragestellung verbindet (Kersting, 1998). Ein
Test hat nicht eine Augenscheinvalidität, sondern für verschiedene (wahrgenommene) Anwendungszwecke verschiedene
Augenscheinvaliditäten. Die Formulierungen der Akzept! Items zur Augenscheinvalidität müssen daher dem jeweiligen
Einsatzzweck angepasst werden. Die bislang empirisch erprobten Items beziehen sich auf die Augenscheinvalidität für
Berufseignungsdiagnostik:
Beispiel: "Dass man mit dem Test / den Fragen/Aussagen / dem AC geeignete Personen für einen Job herausfinden kann,
ist zu bezweifeln."
Wird das Verfahren beispielsweise zur Diagnose im Kontext der Partnerschaftsvermittlung eingesetzt, so könnte man
formulieren:
"Dass man mit solchen Fragen/Aussagen wie denen des Verfahrens "passende" Frauen und Männer für eine Partnerschaft
herausfinden kann, ist zu bezweifeln."
Beispiel: "Die Bearbeitung der Testaufgaben / die Teilnahme am AC ist belastend."
Wahrung der Privatsphäre (P):
Beispiel: "Was ich auf solche Fragen/Aussagen antworte, geht diejenigen, die die Verfahrensergebnisse erhalten, nichts an."
Antwortfreiheit (P):
Beispiel: "Aufgrund der vorgegebenen Antwortmöglichkeiten des Verfahrens hatte ich nicht die Freiheit, so zu antworten, wie es für meine Person zutreffend ist."
Gute Organisation (AC):
Beispiel: "Ich wusste jederzeit, wann und wo die nächste Aufgabe für mich beginnt."
Positive Atmosphäre (AC):
Beispiel: "Der Umgang mit den Teilnehmern des ACs war jederzeit freundlich und wertschätzend."
Gesamtbeurteilung (AC, L und P):
"Welche Schulnote würden Sie dem soeben bearbeiteten Test / Verfahren / AC geben?"
Selbsteinschätzung (AC und L):
"Im Vergleich mit anderen Personen meiner Altersgruppe (mit gleicher Schulbildung) denke ich, dass ich im Test / AC .... abgeschnitten habe." (Schulnotenskala)
Verfälschung (P):
"Ich habe mich bei der Bearbeitung des Verfahrens besser dargestellt, als ich wirklich bin."
Gerne stellen wir Ihnen den Akzept! Bogen kostenlos zur Verfügung, wenn Sie uns durch eine Rücksendung der mit dem Akzept! Bogen erhobenen (anonymisierten) Daten helfen, die Qualität des Akzept! Bogens zu kontrollieren und zu optimieren. Vor allem möchten wir langfristig die mit dem Akzept! Bogen erhobenen Werte in einer Datenbank sichern. Geben Sie deshalb bei Ihrer Rücksendung der Daten nicht nur an, welches Verfahren beurteilt wurde, sondern geben Sie uns nach Möglichkeit auch Informationen zu Situations- und Kontextvariablen (z.B. Freiwilligkeit, Anonymität, Ziel und Bedeutsamkeit der Diagnose) sowie Personvariablen, (z.B. demographische Variablen, Fähigkeit, Persönlichkeit, Interesse, Motivation). Von besonderer Bedeutung ist die Erhebung und Berücksichtigung des eigenen Ergebnisses, dass die beurteilende Person in dem beurteilten Verfahren erzielt hat und / oder der diesbezüglichen Selbsteinschätzung.
Für Anfragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Prof. Dr. Martin KerstingE-Mail: martin@kersting-internet.de
Literatur:
Kersting, M. (1998). Differentielle Aspekte der sozialen Akzeptanz von Intelligenztests und Problemlöseszenarien als Personalauswahlverfahren. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 42, 61-75. (pdf)
Kersting, M. (2003). Augenscheinvalidität. In K. D. Kubinger & R. S. Jäger (Hrsg.), Schlüsselbegriffe der Psychologischen Diagnostik (S. 54-55). Weinheim: Beltz, PVU. (pdf)
Kersting, M. (2008). Zur Akzeptanz von Intelligenz- und Leistungstests. Report Psychologie, 33, 420-433. (pdf)
Kersting, M. (2010). Akzeptanz von Assessment Centern: Was kommt an und worauf kommt es an? Wirtschaftspsychologie, 12, 58-65. (pdf)